Beweggründe

Sie dreht sich zur Seite und legt ihre Hand auf meine Brust. Das macht sie oft. Dann sieht sie mich schweigend an und ich weiß wieder nicht, was sie dabei denkt. Ob sie heute etwas anderes dabei denkt als vor fünf oder sieben Jahren. Ihre Hand ist warm, ist das Zeichen, das mir anscheinend zu verstehen geben soll, dass sie mit mir schlafen will.

Ich küsse die Innenseite ihrer Hand, sie schließt die Augen und ich kurz darauf die meinen. Ihr Geruch hat sich nicht verändert und er erinnert mich an unsere Anfangszeit, oder wie man das halt nennt. Damals konnte ich von diesem Geruch nicht genug kriegen, ich habe sie ins Auto gezerrt oder in ihr Bett oder neben mein Bett, hab meine Kopf über ihren Körper bewegt, hab mich von ihrem Mund zu ihrer Möse gerochen und konnte nicht aufhören. Ich hab sie beschworen kein Parfüm zu verwenden, weil das ihren Körpergeruch teilweise überdeckte und sie hat darüber gelacht und dann doch kurz darauf nur noch den Deostift genommen – mir zuliebe. Das ging über Monate so. Und wenn ich dann voll auf ihrem Duft eingetuned war, dann haben wir gefickt.

Vorhin habe ich mir die Zähne geputzt, wie jeden Abend. Ich habe das grüne Mundwasser genommen und meinen Rachenraum für eine halbe Minute im überwältigenden Minzegeschmack taubgegurgelt. Richtig, ihr Geruch ist noch der selbe – er ist mir sehr vertraut, so wie der Geruch dieses Schlafzimmers, in dem wir seit fünf Jahren beinahe jede Nacht nebeneinander verbringen. Nach einiger Zeit war es mir egal, wie sie roch und wir haben trotzdem gefickt und es war geil. Ich schiebe mich unter ihre Bettdecke und spüre ihren Körper an meinem. Sanft lege ich meine Hand auf ihren Bauch, beuge mich vor und hauche auf ihren Hals. Mein Atem riecht so stark nach Minze, dass er der Nase keine andere Wahrnehmung lässt. Manchmal, wenn wir uns nach dem Zähneputzen noch unterhalten, bevor ich mich ihr nähere, versagt das Mundwasser und dann rieche ich wieder schutzlosen ihren Körper. Dann kann ich ihren Geruch fast nicht mehr aushalten und möchte aufhören, aber das geht dann freilich schon nicht mehr. Heute haben wir gleich angefangen, ohne Verzögerung und so ist es leichter.

Es macht nicht viel Unterschied, ob ich ihr den Bauch streichle oder meine Hand gleich auf ihren rechten Oberschenkel lege und ihre Beine aufziehe – sie ist so oder so nicht feucht, wenn ich schließlich ihre Schamlippen öffne. Andererseits ist mein Schwanz auch nicht hart. Das ist die Durststrecke, die wir zurücklegen, an die wir uns aber auch gewöhnt haben. Seltsam ist es trotzdem – da hängt mir der Trieb den ganzen Tag über in den Eingeweiden, lässt es nicht zu, dass selbst das interessanteste Gespräch mich von einem vorbeiwackelnden Weiberarsch ablenkt und dann liege ich schließlich wieder hier und habe direkten Zugriff auf sexuelle Befriedigung, auf zumindest einen Frauenkörper und gerade da ist die ganze drängende Notwendigkeit nur noch ein verwelktes Bündel Verwunderung in mir. Aber mit geschlossenen Augen und meinen Fingern zwischen ihren Schamlippen lässt sich vieles ändern.

Es gibt nur wenige Handbewegungen, die ich so selbstverständlich und effektiv beherrsche, wie das Hervorholen ihrer Klitoris zwischen ihren Schamlippen. Ich könnte meinen Kopf auch zwischen ihre Beine legen und sie mit der Zunge stimulieren, aber dazu bin ich zu müde und nachher tut mir dann wieder der Mund weh, weil ich ihn so weit aufsperren muss dabei. Meine Fingerspitze reibt ihre kleine Schwellung und ich spür, wie sich ihr Körper neben mir etwas entspannt – weshalb ist sie auch immer so steif am Anfang? Meine Gedanken wandern hinter meinen Augen umher. Die Stimme der fremden Anruferin heute Nachmittag, die Unterlagen von mir zugesandt haben wollte – ich denk an sie und lasse den Finger etwas weiter vor gleiten. Sie wird langsam nass und das erregt mich. Es ist ein relativ emotionsloser Vorgang, aber darüber will ich jetzt nicht nachdenken – ich brauche ein paar Bilder, um die Regungen meines Körpers nicht in kritischen Gedanken zu verlieren. Marita hat kurz im Büro vorbeigeschaut und wir haben uns unterhalten – ihre Jeans saß eng und sie hat sich nach dem Kugelschreiber gebückt, der ihr dankenswerterweise runtergefallen war. Das ist ein guter Gedanke. Maritas Arsch ist in dieser Situation immer hilfreich. Mein Finger drückt die Klitoris ein klein wenig fester und langsam geht das Bild in die Bewegung über und ich leg Marita neben mich – so ist es gut. Sie bewegt ihr Becken und ist gar nicht mehr verkrampft. Sie will es auch. Sie braucht es genauso.

Ich zwinge mich nicht zu bemerken, wie sehr ich den Vorgang des Eindringens in ihren Körper wiedererkenne, wie bekannt es in dieser Frau ist, die unsichtbar unter mir eine andere Person sein muss, damit ich mich ihr nähern kann. Und ich zwinge mich auch, das alles nicht zu denken, es zumindest nur nebenbei, am Rand, an den östlichen Ausläufern meines Hirns zu erfassen und Marita im Zentrum zu lassen. Heute geht es wie von selbst – ich schiebe mich in sie und sie stöhnt dabei. Und ich weiß wo ich bin und sehe es doch nicht. Der Kugelschreiber – sie bückt sich danach, immer wieder, immer langsamer, immer länger bleibt sie so stehen. Meine Bewegungen geben den Versuch auf, nicht mechanisch zu sein – es geht jetzt nur noch darum, die Konzentration im Kopf nicht zu verlieren. Bloß nicht ablenken lassen. Bloß nicht das Bild verlieren, die Vorlage ist gut, ist geil genug um mich weiter anzutreiben. Jemand zuckt unter mir und ist ebenfalls unterwegs. An was sie wohl denkt – scheißegal, sie braucht es doch auch. Marita brauch es doch, schiebt ihr Gestell vor meinem Schwanz herum und bettelt mit jeder Bewegung darum, dass man ihr was reinsteckt – was reinhaut, immer wieder rein und das kriegt sie jetzt, dieses gottverfickte Miststück.

Schließlich presse ich mich in sie und lass es raus. Sie zuckt nicht mehr zurück, sie lässt mich in ihr, bis ich ganz damit fertig bin. Dann lege ich mich neben sie, zieh meine Bettdecke über mich und atme tief. Die Erleichterung ist drückend unter meiner Haut – ich muss mich erst wieder zusammenfinden. Ich höre, wie sie eines der Küchentücher von der Rolle reißt, die immer auf ihrem Nachttisch steht. Sie wischt sich mein Sperma zwischen den Beinen weg, steht auf und geht ins Bad. Nach ein paar Minuten höre ich die Toilettenspülung, dann das Rauschen des Wasserhahns und dann kommt sie zurück. Sie legt sich neben mich.

Jetzt, danach, langweilt mich der Gedanke an Marita, ich will sie nicht mehr in meinem Kopf haben. Sie ist mir unangenehm. Der Geruch des Zimmers ist vertraut und macht mich endgültig schläfrig. Mein Körper ist entspannt, schwemmt die seltsamen Gedanken in die Nacht und ich dreh mich zur Seite, sehe sie an und bin froh, dass sie da ist.